Informationen zu Krankheitsbildern und Therapien

Kolorektales Karzinom - Darmkrebs

In Deutschland ist Darmkrebs bei Männern und Frauen mittlerweile die zweithäufigste Krebserkrankung. Ca. 71.000 Menschen erkranken pro Jahr neu daran. In 95% entsteht der bösartige Tumor aus Drüsenzellen der Darmschleimhaut, deren Erbgut sich durch mehrere Mutationen im Verlauf von 10-15 Jahren verändert. Diese Mutationen entstehen spontan bei ca. 70% der Patienten, 18% weisen eine familiäre Belastung auf, 5-10% sind durch genetische Defekte verursacht, 5% durch chronisch entzündliche Darmerkrankungen. Es bilden sich zuerst Schleimhaut-Wucherungen, sogenannte Polypen oder Adenome, welche dann im Lauf der Zeit über die Umwandlung in Krebsvorstufen entarten. (Häufiger als diese Adenome finden sich bei Darmspiegelungen allerdings unechte Polypen, sogenannte hyperplastische Polypen, die in der Regel kein Entartungsrisiko aufweisen.) Die meisten Patienten, bei denen ein kolorektales Karzinomen entdeckt wird , sind älter als 50 Jahre, im Durchschnitt 68-75 Jahre.

Bei früher Erkennung des Darmkrebs können 90% der Patienten geheilt werden. In den letzten Jahrzehnten kam es in Deutschland einerseits zu einem Anstieg der Darmkrebsfälle, aber zu einem beeindruckenden Rückgang der Sterblichkeit an dieser Erkrankung.

Einer der Gründe hierfür ist  das Krebs-Früherkennungsprogramm in Deutschland. Allen Krankenversicherten steht ab dem 50. Lebensjahr eine jährliche Untersuchung auf verstecktes Blut im Stuhl (Hämoccult-Test) zu, ab dem 56. Lebensjahr alle 2 Jahre oder alle 10 Jahre eine große Darmspiegelung, eine sogenannte Koloskopie. Bei dieser Untersuchung können Polypen, die entdeckt werden, gleich abgetragen werden und feingeweblich untersucht werden. Sollte der Hämoccult Test positiv sein, d.h. Blut nachgewiesen werden, muss auf jeden Fall eine Koloskopie durchgeführt werden.

Es gibt Risikogruppen in der Bevölkerung, d.h. sie haben ein höheres Risiko, an Darmkrebs zu erkranken und erkranken deutlich früher. Hier muss das Früherkennungsprogramm schon früher beginnen.

– Bei 5-10% der Darmkrebs Patienten liegen vererbbare genetische Faktoren vor wie das hereditäre, nicht polypöse kolorektale Karzinom Syndrom (HNPCC oder Lynch-Syndrom), die familiäre adenomatöse Polyposis (FAP) und andere seltene Syndrome. Beim Lynch-Syndrom besteht zudem ein erhöhtes Risiko an Gebärmutterkrebs, Eierstockkrebs und Magenkrebs zu erkranken. Bei Verdacht auf diese Erkrankung kann in entsprechenden Zentren eine genetische Beratung erfolgen (Adressen sind über die Deutsche Krebsgesellschaft oder die Tumorzentren der Universitätskliniken zu erfragen).

  • Bei lang bestehender chronisch entzündlicher Darmerkrankung wie Colitis ulcerosa oder die Crohn Erkrankung besteht ein höheres Entartungsrisiko und
  • wenn in einer Familie Verwandte 1. Grades (Eltern, Kinder) an einem Darmkrebs erkrankt sind, insbesondere wenn sie jünger als 60 Jahre bei Erstdiagnose waren.

Als Risikofaktoren für jeden spielen Ernährungsgewohnheiten eine große Rolle: fettreiche Ernährung, großer Anteil an Fleisch und Wurstwaren, ballaststoffarme Kost, wenig Obst und Gemüse. Hoher Alkoholkonsum und Rauchen, Fettleibigkeit (Adipositas) und Bewegungsmangel sind ebenfalls nachgewiesene Risikofaktoren.

Umgekehrt hat jeder Mensch die Möglichkeit, einem Darmkrebs vorzubeugen oder nach einer Erkrankung durch Änderung seines Lebenstils und der Ernährung einem Rückfall vorzubeugen. Ein Schutzfaktor ist eine höhere Calciumaufnahme mit der Nahrung. Acetylsalicylsäure und Coxibe in niedriger Dosierung scheinen ebenfalls zu schützen, so dass diese Medikamente bei Patienten mit genetisch erhöhtem Risiko im Rahmen von Studien eingesetzt werden.

Warnsymptome, die auf einen Darmkrebs hinweisen, treten erst bei längerem Verlauf auf:

Veränderte Stuhlgewohnheiten, etwa ein neu aufgetretener Wechsel von Verstopfung und Durchfall, krampfartige Bauchschmerzen, wiederholt zwingender Stuhldrang, oft ohne dass eine Entleerung folgt, Blutbeimengungen im Stuhl, Schleimauflagerungen – durch häufige Sickerblutungen bedingte Blutarmut oder Anämie, ein Darmverschluss, ungewollter Gewichtsverlust, Kräfteverfall können auf eine noch weiter fortgeschrittene Erkrankung hin weisen.

Für die Therapie des Darmkrebs ist es wichtig, zwischen Kolonkarzinomen mit Sitz im Darmabschnitt vom Übergang des Dünndarms in den Dickdarm, im aufsteigenden, querverlaufenden und absteigenden Grimmdarm (Kolon) und dem s-förmigen Darm (Sigma) einerseits und andererseits dem Rektumkarzinom (Enddarm) zu unterscheiden. Diese Erkrankungen weisen viele Ähnlichkeiten auf, müssen aber unterschiedlich behandelt werden; da sie andere Lymphabflusswege und Blutversorgung aufweisen.

Die Therapie erfolgt nach der interdisziplinären S3 Leitlinie, die ca. alle 4 Jahre aktualisiert wird.

Für viele Patienten ist bei frühen Stadien der Erkrankung eine Operation ausreichend, 85% benötigen keinen künstlichen Darmausgang, bei Rektumkarzinomen ist hierfür der Abstand zum Schließmuskel entscheidend.

Bei großen Tumoren und Streuung in Lymphknoten trägt bei Rektumkarzinomen vor einer Operation eine Bestrahlung in Kombination mit einer Chemotherapie zur deutlichen Verbesserung der Prognose bei (neoadjuvante Radio-/Chemotherapie). Bei Kolonkarzinomen ist bei großen Tumoren, Lymphknoten-Befall, bestimmten Risikokonstellationen und wenn der Tumor nicht vollständig mit Sicherheitsabstand entfernt werden konnte, eine Chemotherapie nach der Operation zur Prognoseverbesserung wichtig (adjuvante Chemotherapie).

Das Vorgehen bei Streuung in andere Organe – meist Leber oder Lunge, seltener Knochen oder Bauchfell – kann eine operative Entfernung der Metastasen, eine systemische Chemotherapie, oft ergänzt durch weitere zielgerichtete Medikamente wie spezifische Antikörper oder Medikamente, die das Gefäßwachstum in Tumoren hemmen (Angiogenese Hemmer), beinhalten. Dies wird in Abhängigkeit von den feingeweblichen Untersuchungen passgenau eingesetzt. Diese Therapiemöglichkeiten haben erheblich zur Prognoseverbesserung in dieser Situation beigetragen.

Weiterführende Information finden Sie ebenfalls bei der Deutschen Krebshilfe im Internet sowie bei der Patienteninformation Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg, beim Krebsinformationsdienst oder bei Stomaanlage.

Ihre Behandlung in der onkologischen Abteilung der Habichtswald-Klinik

Die Aufnahme kann im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung nach Abschluss der Therapie (Operation, evtl. Chemotherapie und Bestrahlung) erfolgen – den Antrag stellt in der Regel der Sozialdienst der behandelnden Klinik, der Onkologe oder der Radiologe, als Reha- Maßnahme, stationäre Weiterbehandlung oder im Rahmen eines stationär palliativen Aufenthaltes (s. Patienteninformation Anschluss-Heilbehandlung, Rehabilitation in der Onkologie). Es kann im Rahmen des Aufenthaltes in der Habichtswaldklinik eine Chemotherapie begonnen bzw. fortgesetzt werden.

Es besteht die Möglichkeit, eine Zweitmeinung zu vorgeschlagenen Therapien einzuholen („Second Opinion“).

Unser Behandlungskonzept verfolgt einen ganzheitlichen Weg, d.h. Körper, Geist und Seele werden gleichermaßen angesprochen und unterstützt. Die Konfrontation mit der Krebsdiagnose, die Erfahrungen während der Therapie, die Zweifel und Ängste sind genau so zu berücksichtigen wie körperliche Beschwerden als Folge der Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie. So soll durch unsere Behandlungsangebote eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit und der Lebensqualität erreicht werden. Viele Therapieangebote aus der Ganzheitsmedizin zielen nicht direkt auf die Zerstörung von Tumorzellen, sondern stärken die körpereigenen Kräfte und fördern die Gesundung. Das durch die vorausgegangenen Therapien geschwächte Immunsystem soll gezielt gestärkt werden, auch hier kommen parallel verschiedene Verfahren zur Anwendung aus dem Bereich der Psychoonkologie, Krankengymnastik und Massage, ergänzt durch gesunde vollwertige Ernährung.

Hierbei setzen wir komplementär (ergänzend zu schulmedizinischen Therapien) gezielt nahrungsergänzende Stoffe ein, z.B. Selen und pflanzliche Enzyme bei Schwellungszuständen nach Operation oder Bestrahlung. In Studien konnte beispielsweise durch die Gabe von Calcium und Vitamin D die Rückfallquote nach Darmkrebs gesenkt werden. Begleitend werden bei Schwellungszuständen Lymphdrainagen durchgeführt, es werden spezielle krankengymnastische Übungen zur Unterstützung des Lymphabflusses erlernt, auch Reflexzonenmassagen können unterstützend eingesetzt werden. Sehr gute Erfahrung machen wir mit der Anlage von Lymphtapes.

Nach der (End-)Darmoperation kann es vorübergehend zu Schwierigkeiten kommen, den Stuhl zu halten (Inkontinenz). Hier ist ein gezieltes Beckenbodentraining durch die Physiotherapeuten hilfreich.

Als Folge einer notwendigen Bestrahlung kann es auch zu Schädigungen der im Strahlenfeld liegenden Organe wie Darm – insbesondere der Enddarm – der Harnleiter und der Harnblase kommen. Hier ist bei Auftreten von Durchfällen eine diätetische Behandlung sinnvoll neben der Gabe von krampflösenden und den Stuhl andickenden Medikamenten. Wenn der Enddarm betroffen ist, werden entzündungshemmende Medikamente, z.B. als Zäpfchen oder Einläufe eingesetzt.

Wenn vorübergehend oder dauerhaft eine Ableitung von Stuhlgang über ein sogenanntes Stoma erforderlich wurde, unterstützen sie die Stomatherapeuten der Pflege im Erlernen der Handhabung, vermitteln Ihnen so ein sicheres und entspanntes Umgehen mit dem künstlichen Stuhlausgang. So kann ein allmähliches Akzeptieren der durch die Therapie bedingten Körperveränderung entstehen.

Das Thema Sexualität und Krebs ist uns wichtig. Gerade bei Anlage eines Stomas sind viele Patienten sehr verunsichert und meinen, sich so einem Partner nicht zumuten zu können. Im vertrauensvollen Gespräch mit ihren Ärztinnen/ihrem Arzt sowie mit den Psychotherapeutinnen können viele Fragen geklärt werden und Mut gemacht werden zu einem befriedigenden Sexualleben. Bei Operationen des Enddarms kann es zu Störungen der Nerven kommen, die für eine Erektion erforderlich sind. Hier können im Gespräch Hilfen aufgezeigt werden.

Die Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie. Es gibt keine gezielte Krebsdiät, die den Tumor beseitigen könnte, aber durch eine gesunde Ernährung kann gerade beim Darmkrebs viel zur Stärkung des Körpers sowie zur Vorbeugung von Rückfällen beitragen. Das Erreichen eines Normalgewichts ist ein Schutzfaktor, der für viele nur schwer erreichbar ist. Hier bieten die Ernährungsberater eine sehr hilfreiche ernährungspsychologisch fundierte Beratung an. Dabei muss die Krankheitsgeschichte des Patienten berücksichtigt werden. Die Ernährungsberater bieten regelmäßige Vorträge zu den unterschiedlichen Kostformen an, oft ist bei speziellen Problemen eine individuelle Ernährungsberatung erforderlich. Wir bieten verschiedene Formen einer vollwertigen Ernährung und Vitalkost (ausgewogenen Form der Makrobiotik) aber auch alle medizinisch erforderlichen Diäten an. Darüber hinaus können Patienten in unserem Haus die ayurvedische Ernährung kennen lernen, die allerdings stärker gewürzt ist, somit nicht für alle Darmkrebs-Patienten geeignet ist. Es besteht die Möglichkeit in Kochkursen das Erlernte auch praktisch umzusetzen.

Chemotherapeutika wie Oxaliplatin, die bei Darmkrebs eingesetzt werden, können zu einer Chemotherapie-induzierten Polyneuropathie führen. Diese bildet sich oft nur zögerlich zurück, was zu Schmerzen und alltagsrelevanten Einschränkungen führen kann. Elektrotherapie führt zu gesteigerter Erregbarkeit der betroffenen Nerven durch zelluläre Elektrolytverschiebung. Eingesetzt werden TENS, Reizstromtherapie und eine speziell entwickelte Form der Iontophorese.

Physiotherapie zur Behandlung von Koordinationsproblemen, Verbesserung der Stand- und Gangsicherheit, Erlernen von Übungen für zu Hause.

Im Rahmen der Ergotherapie werden an den Händen und Füßen mechanische Reize gesetzt durch Kontakt mit unterschiedlichsten Materialien. Das Kennenlernen von Hilfsmitteln (wie Bürsten, Igelbälle, Fußrollen) ist wichtig, um die erlernten Übungen zu Hause fortsetzen zu können.

Das Rauchen zählt zu den Risikofaktoren des Darmkrebs. Wir raten den Patienten zu einer Raucherentwöhnung, zu der in unserem Haus ein durch Akupunktur unterstütztes Angebot besteht.

Da Bewegungsarmut ebenfalls ein Risikofaktor für Darmkrebs ist, unterstützen sie die Physiotherapeuten gezielt bei der Wiederaufnahme sportlicher Betätigung.

Im Rahmen der Tumorbehandlung leiden viele Patienten unter einem Fatigue-Syndrom, d.h. einer Müdigkeit, Antriebslosigkeit, die nicht durch vorausgegangene Betätigungen erklärt werden kann (s. Patienteninformation Fatigue). Hier ist neben Informationsvermittlung eine gut angeleitete Bewegungstherapie, evtl. ergänzt durch komplementäre Gabe von Carnitin sowie eine psychoonkologische Begleitung hilfreich.

Bei der Diagnose Krebs taucht bei vielen Patienten die Frage nach dem Sinn auf. Hier bietet unsere Klinik einzigartige Möglichkeiten, auf freiwilliger Basis verschiedene Angebote zu nutzen, um sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Hierzu gehören vorbereitend Entspannungsverfahren und ein nicht konfessionell gebundenes spirituelles Angebot.

Zur Wiedererlangung der eigenen Kräfte und Freude am eigenen Schaffen bieten wir zur freiwilligen Teilnahme ein kreatives Angebot.

Für Fragen einer beruflichen Wiedereingliederung, über Nachteilsausgleich bei Schwerbehinderten oder bezüglich weiterer Versorgung am Heimatort stehen Ihnen unsere Sozialberater zur Verfügung.

Patienten, die mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen in unser Haus kommen, werden umfassend und vertrauensvoll über das Für und Wider jedes Behandlungsschrittes sorgfältig in Gesprächen zwischen Arzt und Patient aufgeklärt.

Die Behandlung von Schmerzen ist vorrangiges Ziel einer interdisziplinären Arbeitsgruppe von Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und Psychoonkologen.

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