Informationen zu Krankheitsbildern und Therapien

Tumorimpfstoff

Infektionskrankheiten stellen weltweit ein großes Problem dar. Immer wieder kommt es durch „neue“ oder auch resistente (unempfindliche) Bakterien oder Viren zu vielen Todesfällen. Gegen Seuchen und Epidemien waren die Ärzte bis in das 19. Jahrhundert machtlos. Eine dieser Seuchen waren die Pocken. Etwa 30% der Erkrankten verstarben. Die Beobachtung, dass jedoch von Pocken genesende Menschen nicht erneut erkrankten, also immun waren, führte dazu, dass man versuchte, Individuen durch absichtliche Infektion zu immunisieren. Angenommen wird, dass bereits 200 v. Chr. solche Methoden angewendet wurden. Die „erste“ moderne Art der Impfung wurde mit Kuhpocken durchgeführt, die auch zu einer Immunität gegen menschliche Pocken führte. Daher nennt man Impfstoffe auch „Vaccine“ (vacca = Kuh). Ende des 19. Jahrhunderts formulierte dann Louis Pasteur die Keim-Theorie. Robert Koch erbrachte den Nachweis verschiedener Krankheitserreger (u.a. Tuberkulose) Mit der Standardisierung von Impfstoffen begannen ab dem Ende des 19. Jahrhunderts die ersten nationalen Impfprogramme.

Einige Infektionskrankheiten erhöhen das Risiko, an bestimmten Tumoren zu erkranken. Hierzu gehören beispielsweise das Hepatitis-Virus (Leberkrebs), Humane-Papillom-Virus (Gebärmutterhalskrebs), Helicobacter pylori (Magenkrebs) Epstein-Barr Virus (Lymphome, Tumore im HNO-Bereich). Man nimmt an, dass etwa 8-10% aller Tumor-Erkrankungen durch Viren gefördert werden. Daher liegt es nahe, zur Prävention Impfstoffe zu entwickeln. Einige werden bereits mit Erfolg eingesetzt (siehe Patienteninformation Frühdiagnostik und Prävention).

Ein anderer Aspekt ergibt sich daraus, dass auch Tumorzellen selbst Zielstrukturen unseres Immunsystems sein können. Als genetisch verändert und unbrauchbar, müssten diese Zellen also von unserem Immunsystem erkannt und eliminiert werden. Dies geschieht in unserem Organismus auch tagtäglich vielfach. Entsteht eine Krebserkrankung, ist die Tumorzelle vom Immunsystem toleriert worden, das heißt, sie konnte sich erfolgreich „tarnen“. Dies gelingt der Tumorzelle u.a. durch Selektion. Daher verfolgen einige therapeutische Ansätze das Ziel, diese getarnten Zellen wieder erkennbar zu machen und das Immunsystem auf diese aufmerksam zu machen (siehe auch Patienteninformation „Krebsentstehung“ und „Immunsystem“).

Die Bemühungen, einen „Krebsimpfstoff“ aus einem Tumor herzustellen, bestehen seit vielen Jahren. Tumorzellen oder einzelnen Zellbestandteile (Eiweißmoleküle, DNA) werden zu einem Impfstoff verarbeitet. Der Krebsimpfstoff kann dann entweder aus grundlegenden Strukturen einer bestimmten Tumorart entstehen, die bei jedem Patienten vorliegen und damit bei allen an dieser Erkrankung Leidenden eingesetzt werden oder er kann aus den individuellen Krebszellen des einzelnen Patienten hergestellt werden und wirkt damit ausschließlich bei diesem Patienten. Die immunologischen Vorgänge in unserem Körper sind jedoch sehr komplex und die Anpassungsfähigkeit der Tumorzellen führt ähnlich der Wandlungsfähigkeit vieler Erreger zur Resistenzbildung. Aus diesem Grund führt die Impfung von Bestandteilen der Krebszellen bisher oft nicht zum gewünschten therapeutischen Erfolg. Derzeit versucht die wissenschaftliche Forschung, die Impfstoffe entsprechend zu verändern oder mit Zusätzen zu versehen, so dass eine Aktivierung des Immunsystems stattfindet.

Zu beachten ist, dass einige Medikamente die immunologische „Impfreaktion“ beeinflussen können. In letzter Zeit mehren sich die Hinweise, dass bestimmte Medikamente aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) bzw. nichtsteroidale Antiphlogistika wie Acetylsalicylsäure (Aspirin) aber auch andere Nichtopioid-Analgetika wie Paracetamol und davon abgeleitete Substanzen die Wirksamkeit von Impfstoffen herabsetzen können. Dies wird darauf zurückgeführt, dass diese Pharmaka ihre fiebersenkende und (bei den NSAR) auch entzündungsmindernde Wirkung dadurch erzielen, dass sie hemmend auf bestimmte Enzyme, die Cyclooxygenasen (COX), einwirken. Die an der Prostaglandinsynthese beteiligten COX spielen aber eine wichtige Rolle auch bei der Immunabwehr. Das Blockieren des Enzyms hat offenbar die Nebenwirkung, die Produktion schützender Antikörper nach einer Impfung zu verringern. Daher wird empfohlen, einige Zeit vor und nach der Impfung auf COX-hemmende Medikamente zu verzichten

Der Einsatz von Dendritischen Zellen stellt eine weitere Methode dar, das Immunsystem zur Krebsbekämpfung zu aktivieren. Dendritische Zellen sind besonders spezialisierte Zellen des Immunsystems, die die Aufgabe haben, das spezifische Immunsystem (Lymphozyten) auf Erreger oder fremde Strukturen aufmerksam zu machen. Dies geschieht dadurch, dass sie Tumorzellen aufnehmen, zerlegen und Teilstrukturen auf ihrer Zelloberfläche präsentieren. Diese Strukturen können dann von den T-Lymphozyten spezifisch erkannt werden und somit werden diese gegen Tumorzellen aktiv und greifen diese an. In Studien wird daher versucht, aus dem Blut gewonnene dendritische Zellen des Patienten im Labor mit Tumorzellen bzw. Impfstoff zusammenzubringen, um sie so zu trainieren. Diese „geschulten“ dendritischen Zellen werden dann dem Patienten zurückgegeben. Auch diese Vorgänge sind aber leider so komplex, dass sie nicht vorhersehbar beherrscht werden können.

Der Einsatz von dendritischen Zellen ist nicht ohne Risiko. Da Krebszellen unseren körpereigenen Zellen sehr ähnlich sind, ist es für das Immunsystem schwierig, diese zu erkennen. Führt man nun speziell „geschulte“ Dendritische Zellen dem Organismus zu, kann es einerseits zu einer gewünschten Aktivierung des Immunsystems gegen Krebszellen kommen, aber es besteht auch die Möglichkeit, dass der gegenteilige Effekt eintritt, nämlich, dass das Immunsystem lernt, die präsentierten Strukturen zu akzeptieren und entsprechend nicht anzugreifen. Damit entsteht eine Toleranz des Immunsystems gegen die fortschreitende Tumorerkrankung. Misstrauisch sollten Patienten werden, wenn ihnen eine solche experimentelle Therapie gegen Bezahlung und außerhalb der kontrollierten Bedingungen einer klinischen Studie angeboten wird. Nicht selten steckt hinter solchen Angeboten das Geschäft mit der Angst von Krebspatienten, etwas zu versäumen. Daher ist zu empfehlen, dass sich Patienten nur innerhalb klinischer Studien mit Tumorimpfstoffen und dendritischen Zellen behandeln lassen sollten.

In den USA wurde 2010 eine erste Vakzinetherapie zugelassen: Sipuleucel-T (Provenge®) dient zur Behandlung fortgeschrittener Prostatakarzinomerkrankungen. Es erfolgte eine Zulassung für Europa in 2013.

Schon vor Jahren wurde im Rahmen klinischer Studien die Wirksamkeit des Tuberkulose-Impfstoffes Bacillus Calmette-Guerin (BCG) bei verschiedenen Tumorarten untersucht, unter anderem bei Leukämien, Brustkrebs, Hautkrebs und Lungenkrebs. Bislang scheint sich BCG jedoch ausschließlich bei bestimmten Stadien des Harnblasenkrebs zu bewähren, wenn man ihn direkt in die Blase gibt.

Als onkolytische oder onkotrope Viren bezeichnet man Erreger, die Tumorzellen infizieren können – möglichst ohne eine schwere Erkrankung des Patienten zu verursachen. Die dahinter stehende theoretische Überlegung setzt auf Viren, die sich möglichst nur in Tumorzellen vermehren. Eine solche Infektion führt, so die Hoffnung der Forscher, zum Absterben der malignen Zellen. Vor allem dürfen die verwendeten Viren ihrerseits keine Erkrankungen beim Menschen hervorrufen. Insgesamt ist es noch zu früh, um etwas über den Nutzen oder auch die Risiken der Behandlung mit onkolytischen Viren sagen zu können.

Der sogenannte adoptive Transfer von T-Lymphozyten beziehungsweise T-Zellen ist keine aktive Immunisierung, sondern ein sogenanntes passives Verfahren: Das Immunsystem des Patienten selbst wird nicht direkt aktiviert. Man isoliert zunächst T-Zellen aus dem Blut des Patienten und vermehrt sie im Labor. Mit molekularbiologischen Verfahren lassen sich aus den gewonnenen Zellen die  tumorspezifischen T-Zellen gezielt isolieren. Nur diese werden dem Patienten wieder zurückgegeben. Der Aufwand für die Vorbereitung und Durchführung dieser experimentellen Methode ist allerdings sehr hoch, das Verfahren ist kein Standard. Die Wirksamkeit des adoptiven T-Zell-Transfers wird bei verschiedenen Tumorarten getestet, so zum Beispiel bei Prostatakrebs, verschiedenen Lymphomen oder Hautkrebs im Rahmen von klinischen Studien.

Auch fremde Lymphozyten sind gegen Tumorzellen wirksam. Dies zeigt zum Beispiel die allogene (von einem Spender stammende) Stammzelltransplantation aus Blut oder Knochenmark bei Leukämien oder Lymphomen. Die von einem fremden Spender übertragenen Zellen aus Blut oder Knochenmark können eine direkte Wirkung gegen Krebszellen ausüben, gerade weil ihre Gewebemerkmale praktisch nie hundertprozentig mit denen des Empfängers übereinstimmen. Früher setzte man die allogene Stammzelltransplantation nur ein, wenn zuvor durch eine Hochdosischemotherapie oder -bestrahlung das Knochenmark und das Immunsystem des Patienten zerstört waren (Konditionierung). In der sogenannten Minitransplantation erhalten heute Patienten Spenderzellen, ohne dass ihr eigenes erkranktes Immunsystem vorher völlig ausgeschaltet wird (reduzierte Konditionierung).

Weitere immunologische Therapieverfahren sind z.B. Monoklonale Antikörper oder der Einsatz von Botenstoffen des Immunsystem (Interferone, Interleukine).

Es gibt Tumorarten, bei denen es häufiger als bei anderen zur Ausbildung veränderter Merkmale und damit zur Ausbildung von Tumorantigenen kommt. Solche „immunogenen“ Krebsarten sind einer Immuntherapie am ehesten zugänglich. Zu dieser Gruppe gehören zum Beispiel der schwarze Hautkrebs, auch „malignes Melanom“ genannt, sowie das Nierenzellkarzinom. Viele grundlegende Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen Krebs und Immunsystem konnten Forscher aus Studien mit Zellen dieser Tumoren gewinnen und viele Immuntherapie-Studien werden zuerst Patienten mit Melanomen oder Nierenzellkarzinomen angeboten. Erkenntnisse aus der Behandlung dieser Patienten lassen sich jedoch nicht automatisch auf andere Krebsarten übertragen.

Die Anwendung von „Tumorimpfungen“ sollte nur in klinischen Studien durchgeführt werden. Viele Therapieverfahren befinden sich noch im experimentellen Stadium. Die Not der Betroffenen und hohe Erwartungen haben dazu geführt, dass viele Patienten Therapieangebote außerhalb von Studien nutzen. So werden „Anti-Krebs-Impfungen“, „dendritische Zellen“ oder „Spezifische Immuntherapien“ auf dem Markt von Anbietern beworben. Meist kosten sie viel Geld und werden völlig unspezifisch bei allen Krebsarten gleichermaßen eingesetzt. Für Patienten und Angehörige ist es oftmals schwer zu erkennen, ob es sich um ein seriöses Therapieangebot handelt. Daher sollte sich der Patient aktiv um Informationen bemühen, um Chancen und Risiken des angebotenen Verfahrens bewerten zu können. Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums, dkfz, bietet entsprechende Hilfestellung.

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