Informationen zu Krankheitsbildern und Therapien

Selen

Selen ist ein lebensnotwendiges Spurenelement. Es kommt in der Natur als anorganische (Selenit, Selenat) oder organische (Selenmethionin, Selencystein, Methylselencystein) Verbindung vor.

Deutschland liegt geographisch in einem Gebiet, dessen Böden selenarm sind. Daher haben Getreide, Obst und Gemüse bei uns nur einen geringen Selengehalt. Hauptlieferant sind Hühner- oder Schweinefleisch (85%) aufgrund von selenangereicherten Futtermitteln. Weitere natürliche Quellen sind Seefisch und Meeresfrüchte, Innereien, Eigelb, Hülsenfrüchte und Nüsse.

Die empfohlene Aufnahme mit der Nahrung sollte 30-70μg/Tag nicht unterschreiten. Ein ernährungsbedingter Selenmangel kann bei bestimmten Personengruppen auftreten (z.B. Veganer, Alkoholiker) unter parenteraler Ernährung oder Dialyse, bei Anorexie, bei Malabsorptionssyndromen (Störungen in der Nahrungsverwertung), als Arzneimittelnebenwirkung (Entwässerungsmittel), bei Tumorpatienten. Ein unter Selenmangel auftretendes Syndrom, nämlich eine Herzmuskelerkrankung (endemische Kardiomyopathie Keshan) wird jedoch in westlichen Industrieländern nicht beschrieben.

In der Onkologie wird Selen zur Primär- und Sekundärprävention von Tumoren, zur Minimierung von Nebenwirkungen durch Chemo- und Strahlentherapie und zur Therapie von Lymphödemen eingesetzt. Aufgrund seiner Eigenschaft, mit Schwermetallen Bindungen einzugehen, wird die Seleneinnahme auch im Zusammenhang mit Umweltgiften diskutiert (z.B. Quecksilberbelastung bei Entfernung von Amalgamfüllungen).

Folgende Wirkungen werden postuliert:

  • Chemopräventive Wirkung
  • Antioxidatives Potential
  • Hemmung der Proliferation (Wachstum) von Tumorzellen
  • Genregulation (u.a. Inaktivierung von Onkogenen)
  • Induktion der Apoptose (kontrollierte Zellselbstzerstörung)
  • Angiogenesehemmung (Wachstum von Blutgefäßen zur Tumorversorgung)
  • Regulation von Androgen und Östrogenrezeptoren
  • Radioprotektive Wirkung
  • Stabilisierung des Immunsystems, Aktivierung von Killerzellen
  • Aktivierung von Cytochrom P-450 (dient der Oxidation vieler körpereigener und körperfremder Substanzen (z.B. Arzneimittel), verbesserte Metabolisierung (Verstoffwechselung) von Karzinogenen
  • Therapeutische Wirkung bei der Behandlung des Lymphödems

Die unterschiedlichen Wirkungen des Selens sind dosisabhängig. Dosierungen in Höhe der normalen Nahrungszufuhr haben einen antioxidativen Effekt, hochnormale Selenzufuhr führt zu einer verbesserten Immunantwort, höher dosierte Einnahme zur Induktion der Apoptose.

Selen beeinflusst die Aktivität verschiedener Enzyme. Eine besondere Bedeutung kommt dabei Selen als Co-Faktor des Enzyms Glutathion-Peroxidase zu. Dieses Enzym verhindert das Entstehen von aggressiven Verbindungen aus unserem Stoffwechsel (Fettabbau). Damit wird die DNA-schädigende Wirkung dieser Stoffe („freie Radikale“) vermindert.

Viele Studien weisen auf einen Zusammenhang zwischen niedrigen Selenwerten im Blut und der Häufigkeit von einigen Tumorarten (Brustkrebs, Lungentumore, Magen-Darm Tumore, Kopf-Hals Tumore und Prostatakarzinom) hin. Der Serumspiegel bestimmt auch den Verlauf und das Therapieansprechen von bestimmten Lymphomen. Aus einer großen chinesischen Studie (Quidong-Studie) stammen die ersten Hinweise für einen präventiven Ansatz. Die Selen Supplementierung in Mangelgebieten konnte die Rate an Leberzellkarzinomen signifikant senken.

In vitro Untersuchungen konnten zeigen, dass Selen zu einer Wachstumshemmung von Tumorzellen und zur Induktion der Apoptose führt.

Die Gabe von Selenit (anorganisches Selen) während einer Chemotherapie ist umstritten, insbesondere bei Chemotherapeutika, die über Radikalbildung tumorschädigend wirken. Eine Wirkungsabschwächung wäre möglich. Andererseits führt Selengabe bei einigen Zytostatika zu einer Wirkungsverstärkung (5-FU, Irinotecan, Oxaliplatin, Paclitaxel, Adriamycin). Möglicherweise kann die Resistenz von Tumorzellen gegenüber Zytostatika verhindert werden. Speziell in der Kombination mit Cisplatin ergeben sich protektive Mechanismen (weniger Nierenschädigung). Auch die herzschädigende Wirkung von Adriamycin konnte durch Selengabe reduziert werden.

Selengabe kann Ödembildung (Lymphödem nach Operation/ Strahlentherapie oder andere sekundäre Ödeme) positiv beeinflussen.

Die bisherigen Studien konnten zeigen, dass sowohl in der Krebsprävention als auch in der onkologischen Therapie das Erreichen eines optimalen Serumspiegels (110-130µg/l) wichtig ist. Bei einer suboptimalen Versorgung wird das gesundheitsfördernde Potential der o.g. Wirkweise über die selenabhängigen Enzyme nicht ausgeschöpft. Die Dosierung ist abhängig von der Indikation. Zur Primär- und Sekundärprävention werden 100-300µg/l verabreicht. Zu beachten ist, dass Selen in hohen Dosen toxisch ist (Selenosis: u.a. “Knoblauchgeruch“, Kopfschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit, Hautekzeme, Haarausfall). Daher sollten bei einer längerfristigen Seleneinnahme regelmäßige Blutspiegelkontrollen (2-3x/Jahr) erfolgen. Unterschiedliche Selen-Präparate stehen zur Verfügung. Um eine optimale Aufnahme zu ermöglich, müssen die entsprechenden Einnahmeempfehlungen (1Stunde vor oder 2 Stunden nach einer Mahlzeit) beachtet werden.

Eine weitere große Präventions-Studie (PRECISE Trial) wird 2015 sicher mehr Erkenntnisse sichern und Einfluss auf die Bewertung und Empfehlung der Seleneinnahme haben.

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