Informationen zu Krankheitsbildern und Therapien

Schilddrüsenkarzinom

Das Schilddrüsenkarzinom ist der häufigste Tumor endokriner Organe. Jährlich erkranken über 5.000 Patienten in Deutschland neu daran. Frauen sind dreimal so häufig wie Männer betroffen; dies trifft aber nur auf die gut differenzierten Tumoren zu, die noch eine hohe Ähnlichkeit zu den Schilddrüsenzellen aufweisen, aus denen sie sich durch Mutation zur Bösartigkeit entwickelt haben. Bei den undifferenzierten Schilddrüsenkarzinomen, sogenannten anaplastischen Karzinomen und den medullären, aus den C-Zellen (wichtig für den Calcium und Knochenstoffwechsel) stammenden Karzinomen sind Männer und Frauen gleichermaßen betroffen.

Das papilläre Schilddrüsenkarzinom tritt bei jungen Patienten auf. Es gibt eine weltweit ansteigende Tendenz der Häufigkeit, insbesondere von sehr kleinen, gut differenzierten papillären Schilddrüsentumoren, die insgesamt eine sehr hohe Heilungsrate aufweisen.

Auch ein weiteres gut differenziertes Schilddrüsenkarzinom, das follikuläre Karzinom hat gute Heilungsraten, hier sind die Patienten bei Diagnose meist im mittleren Alter.

Der Verlauf des anaplastischen Schilddrüsenkarzinoms ist leider sehr viel ungünstiger bei hoher Wachstumstendenz und schlechterer therapeutischer Beeinflussbarkeit. Hier sind die 60-Jährigen und älteren Patienten betroffen. Das medulläre Karzinom ist in einem Viertel der Fälle erblich und oft mit weiteren endokrinen Neubildungen vergesellschaftet – MEN=multiple endokrine Neoplasien. Hier können schon Kinder betroffen sein oder junge Erwachsene. Bei der nicht erblich erworbenen Form des medullären Karzinoms sind die Patienten meist zwischen 50-60 Jahre alt.

Als Ursache für die Entwicklung eines Schilddrüsenkarzinoms ist radioaktive Strahlung, besonders im Kindes- und Jugendalter, ein sehr hoher Risikofaktor. So konnte man einen deutlichen Anstieg von Schilddrüsenkarzinomen in der Umgebung von Tschernobyl nach der Reaktorkatastrophe feststellen. Ein Jodmangel erhöht ebenfalls das Risiko für ein Schilddrüsenkarzinom.

Wie immer hängt letztlich die Prognose entscheidend von der frühen Entdeckung der Tumore ab.

Symptome, die auf ein Schilddrüsenkarzinom hinweisen können, sind tastbare, derbe Knoten in der Schilddrüse, eine rasch größer werdende Struma („Kropf“) trotz adäquater Behandlung.

Bei fortgeschrittener Erkrankung können vergrößerte Lymphknoten in der Halsregion, Heiserkeit durch Schädigung des Stimmbandnerven, welcher unterhalb der Schilddrüse verläuft, Atem- und Schluckbeschwerden und eine Stauung der Halsgefäße sein.

Die Therapie ist immer kombiniert chirurgisch, strahlentherapeutisch, nuklearmedizinisch, gefolgt von einer lebenslang notwendigen Schilddrüsenhormonbehandlung.

Bei papillären Mikrokarzinomen kann eine Entfernung des betroffenen Schilddrüsenlappens möglicherweise ausreichen, sonst wird immer das gesamte Schilddrüsengewebe sowie regionale Halslymphknoten entfernt. Da differenzierte Schilddrüsenkarzinome Jod aufnehmen, wird nach einer Pause von 4 Wochen radioaktives Jod als Kapsel verabreicht, um noch vorhandenes Schilddrüsengewebe oder Metastasen nachzuweisen und dann hoch dosiert nachgegeben, um es zu zerstrahlen. Diese Strahlen dringen nur wenige Millimeter ins umgebende gesunde Gewebe, deshalb wird die Behandlung gut vertragen – sie wird aber in speziellen nuklearmedizinischen Stationen durchgeführt und der Aufenthalt dort kann bis zu 5 Tagen dauern. In dieser Zeit sind die Patienten abgeschirmt, um andere nicht über die Strahlung zu gefährden. Vor der Radiojoddiagnostik und -therapie erhalten die Patienten gentechnisch hergestelltes TSH als intramuskuläre Spritze. Das Regelhormon der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) sorgt dann dafür, dass verbliebene Schilddrüsenkarzinom-Zellen genügend Jod speichern können. Heutzutage können die Patienten schon rasch nach der Schilddrüsenentfernung mit dem dann fehlenden Schilddrüsenhormon versorgt werden (Thyroxin – als Tabletten vor dem Frühstück einzunehmen) Sie rutschen so nicht in eine Schilddrüsen-Unterfunktion hinein.

Anaplastische Schilddrüsenkarzinome speichern kein Jod, deshalb wird hier nach der Operation von außen bestrahlt. C-Zell Karzinome sind nicht strahlensensibel und speichern kein Jod, so dass die operative Entfernung entscheidend ist.

Die aktuellen Leitlinien der Therapie und Patienteninformationen der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften findet man unter www.awmf.org. Weiterführende Informationen finden Sie ebenfalls bei der Deutschen Krebshilfe im Internet unter www.krebshilfe.de, bei der Patienteninformation Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg unter www.dkfz.de. Adressen für Selbsthilfegruppen unter www.schilddrüsenliga.de, Informationen von und für Betroffene unter www.sd-krebs.de

Ihre Behandlung in der onkologischen Abteilung der Habichtswald-Klinik

Die Aufnahme kann im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung nach Abschluss der Therapie (Operation, evtl. Chemotherapie und Bestrahlung) erfolgen – den Antrag stellt in der Regel der Sozialdienst der behandelnden Klinik, der Onkologe oder der Radiologe, als Reha- Maßnahme, stationäre Weiterbehandlung oder im Rahmen eines stationär palliativen Aufenthaltes.

Es besteht die Möglichkeit eine Zweitmeinung zu vorgeschlagenen Therapien einzuholen („Second Opinion“).

Von Bedeutung für das Befinden ist die gute medikamentöse Einstellung mit Schilddrüsenhormon zur Substitution.

Unser Behandlungskonzept verfolgt einen ganzheitlichen Weg, d.h. Körper, Geist und Seele werden gleichermaßen angesprochen und unterstützt. Die Konfrontation mit der Krebsdiagnose, die Erfahrungen während der Therapie, die Zweifel und Ängste sind genau so zu berücksichtigen wie körperliche Beschwerden als Folge der Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie sowie die Nebenwirkungen der Antihormontherapie. So soll durch unsere Behandlungsangebote eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit und der Lebensqualität erreicht werden. Viele Therapieangebote aus der Ganzheitsmedizin zielen nicht direkt auf die Zerstörung von Tumorzellen, sondern stärken die körpereigenen Kräfte und fördern die Gesundung.

Das durch die vorausgegangenen Therapien geschwächte Immunsystem soll gezielt gestärkt werden, auch hier kommen parallel verschiedene Verfahren zur Anwendung aus dem Bereich der Psychoonkologie, Krankengymnastik und Massage, ergänzt durch gesunde vollwertige Ernährung.

Sollte nach einer Bestrahlung eine Hautreizung, eine Strahlendermatitis, aufgetreten sein, beraten unsere speziell fortgebildeten Pflegekräfte Sie über die richtige Hautpflege und leiten eine gezielte Narbenbehandlung ein. Nach einer Radiojodtherapie kann die Funktion der Speicheldrüsen gestört

sein, hier erhalten Sie Tipps zum Umgang mit dem Trockenheitsgefühl im Mund.

Manchmal kommt es durch die Schilddrüsenoperation zur Funktionsstörung der Stimmbandnerven. In Kooperation mit niedergelassenen, sehr kompetenten Logopäden kann hier gezielt geholfen werden.

Die Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie. Es gibt keine gezielte Krebsdiät, die den Tumor beseitigen könnte, aber durch eine gesunde Ernährung kann viel zur Stärkung des Körpers beigetragen werden. Dabei muss die Krankheitsgeschichte des Patienten berücksichtigt werden. Deshalb bieten wir verschiedene Formen einer vollwertigen Ernährung und Vitalkost (ausgewogenen Form der Makrobiotik) aber auch alle medizinisch erforderlichen Diäten an. Darüber hinaus können Patienten in unserem Haus die ayurvedische Ernährung kennen lernen. Die Ernährungsberater bieten regelmäßige Vorträge zu den unterschiedlichen Kostformen an. Es besteht die Möglichkeit in Kochkursen das Erlernte auch praktisch umzusetzen. Bei Bedarf erfolgt eine individuelle Ernährungsberatung, z.B. bei Schluckbeschwerden nach Strahlentherapie.

Im Rahmen der Tumorbehandlung leiden viele Patienten unter einem Fatigue Syndrom, d.h. einer Müdigkeit, Antriebslosigkeit, die nicht durch vorausgegangene Betätigungen erklärt werden kann. (s. Patienteninformation Fatigue). Hier ist neben Informationsvermittlung eine gut angeleitete Bewegungstherapie, evtl. ergänzt durch komplementäre Gabe von Carnitin sowie eine psychoonkologische Begleitung hilfreich.

Bei der Diagnose Krebs taucht bei vielen Patienten die Frage nach dem Sinn auf. Hier bietet unsere Klinik einzigartige Möglichkeiten, auf freiwilliger Basis verschiedene Angebote zu nutzen, um sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Hierzu gehören vorbereitend Entspannungsverfahren und ein nicht konfessionell gebundenes spirituelles Angebot.

Zur Wiedererlangung der eigenen Kräfte und Freude am eigenen Schaffen bieten wir zur freiwilligen Teilnahme ein kreatives Angebot.

Patienten, die mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen in unser Haus kommen, werden umfassend und vertrauensvoll über das Für und Wider jedes Behandlungsschrittes sorgfältig in Gesprächen zwischen Arzt und Patient aufgeklärt.

Die Behandlung von Schmerzen ist vorrangiges Ziel einer interdisziplinären Arbeitsgruppe von Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und Psychoonkologen.

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