Chemo-Brain

Chemo-Brain

Chemo-Brain – kognitive Störungen nach Chemotherapie

Die Durchführung einer Chemotherapie stellt für den gesamten Organismus eine enorme Belastung dar. Daher müssen Risiken und Nutzen streng abgewogen werden und es muss alles getan werden, damit Wirkung und Verträglichkeit optimiert werden.

Viele Patienten klagen nach Chemotherapie über Störungen des Gedächtnisses oder der Konzentration. Die Fähigkeit, mehr als eine Aufgabe zu bewältigen, ist vermindert, Denken und Entscheiden verlangsamt. Daneben besteht häufig ein Fatigue-Syndrom, verbunden mit chronischer Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit. Dadurch ist die Lebensqualität erheblich eingeschränkt. Diese Beschwerden können sehr lange, manchmal Jahre, anhalten. Die primäre Behandlung ist abgeschlossen und man erhofft sich, dass „Normalität“ eintritt, Grenzen der Belastbarkeit machen sich jedoch deutlich bemerkbar. Dadurch entstehen Sorgen und Ängste, den Alltag nicht mehr bewältigen zu können. Es entsteht das Gefühl, von Familie, Freunden und Beruf überfordert zu sein. Es kommt schließlich zu einer chronischen Stressbelastung, eine Erholung findet nicht statt.

Nicht nur Chemotherapien können zu solchen Veränderungen führen. Auch Bestrahlung oder die Behandlung mit Interferon oder Interleukin (Immuntherapien) können die Leistungsfähigkeit des Gehirns beeinflussen.

Welche Mechanismen genau für diesen Zustand verantwortlich sind, ist bislang noch nicht geklärt. Eine direkte Medikamentenwirkung bestimmter Zytostatika erklärt diese lang anhaltenden Beschwerden nicht. Möglicherweise sind mehrere Faktoren für diesen Zustand verantwortlich:

  • Verminderung der Zellbildung im Hippocampus (zentrale Schaltstelle des Gehirns, Überführung von Gedächtnisinhalten aus dem Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis)
  • Stoffwechselveränderungen, die durch die Krebserkrankung ausgelöst werden
  • Schlechte Blutwerte, z.B. Anämie
  • Schlafstörungen
  • Hormonelle Veränderungen
  • Schmerzen
  • Medikamentennebenwirkungen
  • Traumatisierendes Erlebnis der Diagnose und Behandlung der potenziell tödlichen Erkrankung
  • Begleiterkrankung (z.B. Depression)

Behandlung des Chemo-Brains in der Habichtswald Reha-Klinik

Da die Ursache multifaktoriell ist, gibt es auch keine speziell auf Chemo-Brain-Effekte abgestimmte Behandlung. Die genaue Erfassung der Beschwerden und der Ausschluss somatischer Ursachen sind von grundlegender Bedeutung. Viele Patienten leiden nach einer Chemotherapie unter der Vorstellung, ihr Körper sei „vergiftet“. Sie wenden sich dann oft naturheilkundlichen Behandlungen zu, die „Reinigung und Entgiftung“ versprechen. Hier sind aufklärende Gespräche notwendig. Auch haben Patienten viel Energie aufgewendet, um die primäre Behandlung durchzuhalten. Die Erschöpfung macht sich dann erst bemerkbar, wenn die Behandlung beendet ist. Bildlich gesehen ist unser „Energietank“ bis zur Reserve aufgebraucht.

Die Durchführung einer Anschlussheilbehandlung/Rehabilitation hat zum Ziel, diese erhebliche Beeinträchtigung zu verbessern. Entbunden von den Verpflichtungen des Alltags kann die volle Konzentration auf Regeneration erfolgen. Neben der medikamentösen Behandlung somatischer Störungen (z.B. Behandlung einer Anämie, Behandlung von Hormonveränderungen und Schlafstörungen) stehen in der Habichtswald-Klinik verschiedene Ansätze zur Verfügung, die sich ergänzen. Ein Therapieplan wird immer individuell erstellt. Das ausführliche ärztliche Gespräch und die fachliche Kompetenz sowie die sinnvolle Koordination der möglichen Anwendungen stellen die Grundlage dar. Angeboten werden:

  • angepasstes körperliches konditions- und muskelkräftigendes Training
  • ergotherapeutisches Hirnleistungstraining
  • Brain-Gymnastik (Übungen zur Konzentrations- und Koordinationsverbesserung)
  • Optimierung der Ernährung
  • physiotherapeutische und stoffwechselaktivierende Behandlungen (spezielle Massagetechniken)
  • Wasseranwendungen (z.B. Aqua-Gymnastik im Sole-Thermalbad, Kneipp-Anwendungen)
  • sozialmedizinische Beratung
  • psychoonkologische Unterstützung
  • spirituelle Begleitung

Die Psycho-onkologische Betreuung ist ein Schwerpunkt unserer Behandlung. Die Erkrankung stellt ein traumatisches Erlebnis dar. Damit verbunden bestehen nicht nur eigene Ängste, auch Menschen unserer Umgebung möchten sich nicht immer einlassen. Offene Gespräche können daher entlasten und helfen persönliche Strategien zu finden, mit der Situation umzugehen. Dadurch kann der Teufelskreis der chronischer Stressbelastung aufgelöst werden. Regenerative Prozesse werden angeregt. Verbessertes Selbstwertgefühl und Förderung der Achtsamkeit schaffen eine stabile Basis. Die Konzentrationsfähigkeit, Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit nimmt wieder zu. Die Einbeziehung von Partner und Angehörigen kann wichtig sein, damit Verständnis für die eigene Lebenssituation entsteht.

Naturheilkundliche Medikamente können nach Indikation zusätzlich zum Einsatz kommen. Hierzu gehören Phytotherapeutika wie Ginko, Ginseng oder Rosenwurz. Ein spezielles Eiweiß (L-Carnitin) oder Coenzym Q 10 kann ebenfalls Verwendung finden.