Bronchial- oder Lungenkrebs

Bronchial- und Lungenkrebs

Lungenkrebs verstehen: Ursachen und Risikofaktoren

Bronchialkarzinome sind weltweit einer der häufigsten Tumorerkrankungen. In Deutschland stellen sie sowohl bei Männern als auch Frauen die dritthäufigste Krankheitsursache dar.

Hauptrisikofaktor des Lungenkarzinoms ist das inhalative Zigarettenrauchen (in ca. 85 % der Fälle). In 7 - 12 % ist Ursache eine langjährige, meist berufsbedingte Exposition gegenüber chemischen Stoffen wie Asbest, Arsen, Nickelmetalle und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Radioaktive Strahlen, allen voran Radon, welches als Gas eingeatmet werden kann, wird in 7 % als Ursache gefunden – ob beim Abbau von Uran oder angereichert in Wohnungen. Hier ist die Belastung in wenigen Regionen von Deutschland so erhöht, dass es ein eigenständiger zusätzlicher Faktor werden kann, insbesondere auch hier bei Rauchern. Passivrauchen, Luftverunreinigung und Feinstaubbelastung u.a. durch Dieselmotoren treten zahlenmäßig in den Hintergrund.

Programme zur Früherkennung von Bronchialkarzinomen, wie sie für manche Tumorerkrankungen (z.B. Brustkrebs, Hautkrebs oder Darmkrebs) etabliert sind, gibt es für Lungenkrebs nicht. Ob Risikogruppen - wie starke Raucher - von einer Früherkennungsuntersuchung profitieren, z.B. mit einer Niedrig-Dosis Spiral-Computer-Tomografie, ist noch nicht gesichert.

Oftmals wird die Diagnose anlässlich von Röntgenuntersuchungen aus anderen Gründen gestellt. Häufig geben aber erst deutliche Beschwerden (z.B. Schmerzen, Husten, der über Wochen besteht, Auswurf, z.T. blutig, Atemnot oder Gewichtsverlust) den Anlass zur Untersuchung. Die Erkrankung kann dann schon fortgeschritten sein, sodass eine Behandlung nicht alleine eine Operation, sondern Bestrahlung und Chemotherapie umfasst.

Besteht ein Krankheitsverdacht, werden Röntgenaufnahmen der Lunge, eine Computertomographie (CT), seltener Ultraschall oder Kernspintomographie (MRT) und eine Spiegelung der Bronchien (Bronchoskopie) durchgeführt. Ziel ist es, die genaue Ausdehnung der Erkrankung zu erfassen, um die Behandlung zu planen. Wichtig ist eine Entnahme von Gewebe zur pathologischen Untersuchung, anhand derer man verschiedene Typen von Lungenkarzinomen unterscheidet.

Zwei große Untergruppen unterscheiden sich in Prognose und Behandlungsweg: kleinzellige Bronchialkarzinome (SCLC genannt, englisch: small cell lung cancer) und nicht kleinzellige Bronchialkarzinome (NSCLC, englisch: non small cell lung cancer). Es werden bei beiden weitere Untertypen unterschieden, je nach Ursprungszelle in den Bronchien. Die Ausdehnung der Erkrankung wird durch das TNM-Stadium beschrieben (T = Größe. N = Lymphknoten, M = Metastasierung) beschrieben. Das Grading G1-G4 gibt Hinweis auf das Wachstumsverhalten von Tumorzellen. Die Bestimmung anderer prognostischer Faktoren (Biomarker) gewinnt dabei mehr an Bedeutung, da eine Behandlung dadurch zielgerichteter erfolgen kann.

Grundsätzlich orientiert sich die Therapie nach den Empfehlungen der Fachgesellschaft und der Deutschen Krebsgesellschaft, die Leitlinien veröffentlicht und immer wieder aktualisiert.

Eine Operation kommt zum Zeitpunkt der Diagnose nur bei ca. einem Drittel der Patienten in Frage, bei den anderen ist der Tumor so weit fortgeschritten oder hat bereits gestreut, sodass zur Verkleinerung des Tumors Strahlentherapie oder eine sogenannte neoadjuvante Chemotherapie vor einer Operation zur Verkleinerung des Tumors eingesetzt werden.

Wichtig ist vor einer Operation abzuschätzen, wie gut ein Patient operabel ist, ob er z.B. den Verlust eines ganzen Lungenflügels toleriert oder ob aufgrund einer eingeschränkten Lungenfunktion keine Operation zumutbar ist bzw. ob nur kleinere Lungenanteile entfernt werden können.

Eine Chemotherapie kann außer neoadjuvant (vor einer geplanten Operation) auch adjuvant (ergänzend) nach einer Operation durchgeführt werden, wenn das Rückfallrisiko als hoch eingeschätzt wird. Eine palliative (lindernde) Chemotherapie kommt zum Einsatz, wenn der Tumor aufgrund seiner Größe zu Beschwerden und Komplikationen führt. Verwendet werden – je nach Subtyp – verschiedene Zytostatika, oft besonders wirksam in Kombinationen als Polychemotherapie.

Eine Strahlentherapie wird besonders beim kleinzelligen Lungenkarzinom eingesetzt, zur Vorbeugung von Hirnmetastasen wird oft zusätzlich eine Bestrahlung des Schädels vorgeschlagen. Auch nicht kleinzellige Lungenkarzinome in fortgeschrittenen Stadien reagieren auf eine Strahlentherapie, diese wird oft in Kombination mit einer Chemotherapie eingesetzt.

Neuere zielgerichtete Substanzen (targeted therapy) zur Behandlung bestimmter Untergruppen des nicht kleinzelligen Lungenkarzinoms sind z.B. Tyrosinkinase-Hemmer, das heißt, Medikamente, die durch Hemmung dieses Enzyms die Signalübertragung von wachstumsfördernden Impulsen in die Tumorzelle blockieren. Die Einnahme erfolgt als Tablette. Als Beispiele für diese Medikamentengruppe seien Erlotinib (Tarceva®) oder Gefitinib (Iressa®) genannt. Die häufigsten Nebenwirkungen sind ein Akne-ähnlicher Hautausschlag (Rash) und Durchfall. Die gleichzeitige Anwendung von bestimmten Schmerzmitteln (nicht-steroidale Antiphlogistika) kann zu Magen-Darm-Perforationen führen, hier ist besondere Vorsicht geboten. In die Gruppe der Tyrosinkinasehemmer gehören auch Crizotinib (Xalkori®) oder Afatinib (Geotrif®). Mit Nivolumab (Opdivo®), Pembrolizumab (Keytruda® ) und Ramucirumab (Cyramza®) steht eine neue Gruppe von Medikamenten zur Therapie fortgeschrittener Stadien Verfügung, die man als immunonkologische Therapie oder Checkpoint Inhibitoren bezeichnet. Ziel einer immunonkologischen Therapie ist es, das eigene Immunsystem im Kampf gegen den Krebs zu stärken bzw. zu unterstützen und die Tarnung der Tumorzellen aufzudecken. Dabei werden genau die Zellen und Botenstoffe eingesetzt, die sich im Dienst der körpereigenen Abwehr befinden. Im Vergleich zu den Target-Medikamenten zeigen die neuen Immuntherapeutika im Allgemeinen weniger Nebenwirkungen. Allerdings können sie zu Beschwerden führen, die durch Entzündungsmechanismen im Körper hervorgerufen werden und eine medikamentöse Behandlung nötig machen. Dabei ist es nicht selten, dass sich eigentlich nur leichte Nebenwirkungen relativ schnell verschlimmern. Bereits bei geringen Beschwerden sollte deshalb zeitnah der Arzt informiert werden.

Weitere neue Behandlungen werden in Rahmen von Studien angewendet. Die palliative Therapie des Lungenkarzinoms hat zum Ziel, Beschwerden zu lindern, das weitere Tumorwachstum zu hemmen und die Lebensqualität zu erhalten. Komplikationen, wie z.B. Wasseransammlungen im Pleuraraum (zwischen Rippen- und Lungenfell) können durch eine Ableitung oder Verklebung behandelt werden. Eine angepasste Schmerztherapie (siehe Patienteninformation „Schmerztherapie“) kann erforderlich sein. Mit modernen Konzepten der Schmerzbehandlung lassen sich Beschwerden erfolgreich behandeln. Wegen der Luftnot brauchen viele Palliativ-Patienten eine Extra Sauerstoffzufuhr, als größeres Standgerät für die Nacht oder Mobil mit kleiner Sauerstoffflasche.

Die Nachsorgeuntersuchungen beim Lungenkrebs umfassen Anamnese, Laboruntersuchungen und bildgebende Verfahren (z.B. CT, MRT, PET-CT) in regelmäßigen Abständen.

Weiterführende Information finden Sie ebenfalls bei der Deutschen Krebshilfe im Internet unter www.krebshilfe.de sowie bei der Patienteninformation Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg unter www.dkfz.de oder www.krebsinformationsdienst.de.

Behandlung des Lungenkarzinoms in der Habichtswald Reha-Klinik

Die Habichtswald Reha-Klinik widmet sich mit hohem Engagement der Behandlung von Lungenkarzinomen. Unser erfahrenes medizinisches Team setzt auf einen ganzheitlichen Ansatz, der individuell auf die Bedürfnisse jedes Patienten abgestimmt ist. Modernste Diagnoseverfahren und innovative Therapieansätze kommen dabei zum Einsatz. Hier finden Sie weitere Informationen zur Krebsart Lungentumor und den Behandlungsansätzen in der Habichtswald Reha-Klinik.